Donnerstag, 12. Januar 2012

Zahl der Organspenden in Deutschland wieder gesunken
Stiftung Organtrasplantation sieht Grund in Patientenverfügungen

Plakat der Techniker Krankenkasse zur Organspende
Foto: Techniker Krankenkasse
Während in der Politik und in den Verbänden noch über das "richtige" Modell eines neuen Transplantationsgesetzes diskutiert wird, ist die Zahl der organspenden in Deutschland weiter deutlich gesunken: Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) spendeten im vergangenen Jahr 1200 Menschen nach ihrem Tod Organe, 7,4 Prozent weniger als im Vorjahr.

4.054 Menschen konnte mit einer Transplantation geholfen werden, im Jahr zuvor waren es 4.326 gewesen. Als einen möglicher Grund für den Rückgang nannte die Stiftung die wachsende Zahl der Patientenverfügungen.
Im Jahr n2010 hatte die Zahl der Organspenden einen Höchststand erreicht. Nach wie vor warten nach DSO-Angaben 12.000 Menschen in Deutschland auf ein Spenderorgan.

Auch die Zahl der gespendeten Organe ging im vergangenen Jahr zurück - um knapp sieben Prozent auf 3.917.

Nur in der Region Ost, in den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, sei die Spendenbereitschaft gestiegen, berichtete die DSO. Dort erhöhte sich die Zahl der Spender von 155 auf 166, die Zahl der Organe von 468 auf 488.

"Wir nehmen den Rückgang der Organspende sehr ernst und arbeiten mit den Kolleginnen und Kollegen in den Kliniken unermüdlich an Möglichkeiten und Wegen, um mehr Menschen mit einer Transplantation zu helfen", sagte Professor Günter Kirste, medizinischer Vorstand der DSO.

Als beauftragte Koordinierungsstelle sei die DSO darauf angewiesen, dass die Krankenhäuser potenzielle Spender melden.

"Immer häufiger scheinen Patientenverfügungen eine Organspende auszuschließen, weil der Patient sich nicht explizit dazu geäußert hat und gleichzeitig intensiv-medizinische Maßnahmen ablehnt", sagte Kirste.

Dies zeichne sich in einem Zwischenbericht des Projekts Inhousekoordination ab, bei dem Faktoren in den Kliniken analysiert werden, die zu einer nachhaltigen Steigerung der Organspende beitragen können.

Von der bevorstehenden Gesetzesänderung erhofft sich die DSO eine Förderung der Organspende. Laut EU-Vorgabe muss der Bundestag bis Mitte 2012 ein neues Transplantationsgesetz verabschieden.

Nach einer Einigung der Fraktionen soll nun künftig die Bereitschaft der Bürger zu einer Organspende regelmäßig abgefragt werden, um die Spendenbereitschaft zu erhöhen.

Bisher muss ein Spender von sich aus sein Einverständnis geben. Einen Organspendeausweis haben nach DSO-Schätzung derzeit rund 20 Prozent der Bundesbürger.

Hintergrund:

Sie sieht vor, jeden Bürger zu seiner Bereitschaft für oder gegen die Organspende zu befragen und diese Meinung auf dem Personalausweis, Führerschein oder der Krankenversicherungskarte zu dokumentieren. Die fraktionsübergreifende Initiative soll dazu beitragen, den eklatanten Mangel an Spenderorganen zu beheben.

jos  Quellen DSO / TK

siehe auch chronischLEBEN-Bericht:
Streit um Grund für Rückgang der Organspenden
Hospiz Stiftung fordert mehr Transparenz



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