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Was bundesweit die Vera ist, heißt in einem Projekt der der AOK in Mecklenburg- Vorpommern "Agnes" (nach einer Serie im DDR-Fernsehen): AGnES, die "Arztentlastende, Gemeindenahe, E-Health-gestützte, Systemische Intervention". Foto: AOK-Bilderservice |
Wenn die Vera zweimal klingelt, dann steht nicht etwa die geschäftstüchtige Fernsehmoderatorin Int-Veen auf der Jagd nach vermeintlichen oder echten Mietnomaden vor der Tür. Die Vera kommt - nicht immer, aber immer öfter - an Stelle des gewohnten und bewährten Hausarztes zum stellvertretenden medizinischen Hausbesuch.
Etwa 3.000 "Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis" (VERAS) sind mittlerweulr bundesweit im Einsatz. Die Praxismitarbeiter, die eine vom Institut für hausärztliche Fortbildung (IhF) entwickelte Fortbildung absolviert haben, helfen, den Arzt von Routine-Hausbesuchen zu entlasten, berichtet das Patientenmagazin "HausArzt".
VERAS betreiben im Rahmen der Hausbesuche bei älteren Menschen auch Sturzprophylaxe, und beurteilen die Qualität der Pflege. Damit tragen sie dazu bei, die gewohnte hausärztliche Versorgung aufrecht zu erhalten. Denn aufgrund des um sich greifenden Ärztemangels müssen die einzelnen Hausarztpraxen mehr und mehr Aufgaben übernehmen.
Knapp 300 VERAS arbeiten bereits in Sachsen-Anhalt, 429 in Nordrhein-Westfalen, 900 in Bayern und 1.000 in Baden-Württemberg.
jos
chronischLEBEN-Kommentar: Mit Vera auf dem Weg in die Holzklasse
Die Vera ist aus der Not geboren. Und sie ist - bei aller Anerkennung der Weiterbildung für die Versorgungsassistentinnen - eine Notlösung. Die Vera kann den Arzt mit seiner soliden Qualifikation nicht ersetzen.
Soll sie auch gar nicht, kontern die Erfinder und Befürworter der Veras. Damit haben sie durchaus recht - auf den ersten Blick. Sie sollen den Arzt ja tarsachlich nicht etwa ersetzen, sondern - ja was eigentlich? Da wird immer gern vom Blutdruckmessen, mal einem Verbandswechsel und der berühmten Sturzprophylaxe geredet. Das ist schön harmlos unbestreitbar hilfreich und unangreifbar.
Aber es geht gar nicht darum, den hausbesuchenden tüchtigen und in ihren Bereich hoch qualifizierten Assistentinnen zu unterstellen, sie würden - und sei es auch nur in Grauzonen - ärztliche Arbeiten übernehmen. Täten sie es, wäre das ein Fall für den Staatsanwalt.
Das Problem ist ein anderes: Mit den Veras wird ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Versorgung Stück für Stück abgebaut: Ersatzlos und endgültig.
Nahezu alle sind sich darüber einig, dass die ambulante medizinische Versorgung auch und gerade in Zeiten der Finanzierungsdiskussionen einen immer höheren Stellenwert bekommt.
Unter diesem Aspekt ist es geradezu irrwitzig, den Arzt am häuslichen Krankenbett Schritt für Schritt abzuschaffen. Der "Haus"-Arzt ist keine romantisierende Reminiszenz, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil einer patientenorientierten medizinischen Versorgung.
Die "Vera" als Ergänzung zum Hausbesuch des Hausarztes wäre eine sinnvolle Bereicherung. Ein Ersatz ist sie in keinem Fall.
Verlierer sind bereits jetzt bettlägrige Ambulanz-Patienten. Vera, das heißt für viele von ihnen das Ticket für die dritte Klasse, in der Zeit der Dampfeisenbahn auch als Holzklasse bekannt.
Norbert Jos Maas |
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